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Greenkeeping in Bissenmoor

Greenkeeper? Das sind doch die, die ausgerechnet gerade dann das Gras mähen müssen, wenn ich mal auf die Runde will!

Beim Stichwort „Greenkeeping“ fällt vielen Golfern zuerst ein, was sie stört: sei es das Aerifizieren, das die Grüns unberechenbar macht, seien es die Maschinengeräusche in der Nähe, die die Konzentration auf den nächsten Schlag stören oder sei es der große Mäher, der auf der Bahn vor dem Spieler seine Runden zieht.

Dass ohne intensives, unablässiges Greenkeeping unser schöner Sport gar nicht möglich wäre, kommt so manchem Golfer nicht in den Sinn, wenn er sich „mal wieder“ vom Greenkeeper gestört fühlt.

Um das Thema „Greenkeeping“ bei uns in Bissenmoor Ihnen, lieber Leser und Golfer, näher zu bringen, haben wir mit unserem Head-Greenkeeper Frank Gärtner ein Interview geführt und uns ein wenig in sein Kunst einweihen lassen. Vieles hatten wir bis zu diesem Gespräch auch noch nicht gewusst. Wir sehen jetzt die Arbeit unserer Greenkeeper mit (etwas) anderen Augen und zollen ihrer Arbeit mehr Respekt. Vielleicht denken Sie nach dem Lesen dieses Beitrages auch anders über das Thema.

Head-Greenkeeper Frank Gärtner

Redaktion:

Herr Gärtner, nennen Sie uns doch bitte ein paar Fakten über Bissenmoor aus Ihrer Sicht als Greenkeeper.

Frank Gärtner:

Zunächst einmal die Eckdaten zum Golfplatz Bissenmoor:

Geologisch ist Bissenmoor auf einer Mulde gebaut. Es gibt drei verschiedene Bodenschichten: oben Mutterboden, darunter Sand und als unterste Schicht der sog. Ortstein.

Die Löcher 1 bis 5 sind „anmoorig“, der Boden ist also feucht und schwer.

Beim Design des Platzes wurde darauf Wert gelegt, dass die Entwässerung nicht über Fairwaydrainagen erfolgt, sondern durch das Gefälle der Bahnen hin zu den Gräben und Teichen. Wir haben daher wenig Probleme mit stehendem Wasser.

Die Gesamtfläche beträgt 94 ha. Davon sind 25 ha Ausgleichsfläche (Rough, Extrem-Rough), die nur zwei Mal im Jahr bearbeitet werden darf. Die Ausgleichsflächen und die Art ihrer Bearbeitung sind behördlich im sog. „Landschaftlichen Pflegebegleitplan“ festgelegt.

Dazu kommen 2,5 ha Beregnungsteiche (mit Teichfolie); das sind die Teiche um das Clubhaus an Loch 9 und 18 sowie 10 und 11. Sie dienen der Bewässerung des Golfplatzes. Hingegen sind die Teiche an Loch 6, 15 und 16 sowie an Loch 8 Naturteiche mit einer Fläche von ca. 1,2 ha. Bissenmoor hat also fast 4 ha Teichfläche. Somit bleiben 60 ha „eigentlicher“ Golfplatz, der folgendermaßen aufgeteilt ist:

  • 30 ha Semirough, das bis zu vier Mal pro Woche gemäht wird
    18 ha Fairways, die drei Mal pro Woche gemäht werden
    1,3 ha Greens, die sechs Mal pro Woche gemäht werden
    0,8 ha Vorgrün
    1 ha Bunker (Sand)
    1,2 ha Abschläge
    4 ½ ha Driving Range und Kurzplatz

Wie groß ist Ihr Team, um all diese Flächen zu pflegen?

Wir sind fünf festangestellte Kräfte und werden in der Saison von zwei weiteren Aushilfskräften unterstützt.

Wie sind die Schnitthöhen in den einzelnen Bereichen?

Grundsätzlich sind die Schnitthöhen und die Mähhäufigkeit abhängig von der Vegetation und dem Wetter. Die Semiroughs werden normalerweise auf 50 mm geschnitten, die Fairways auf 15 mm. Für die ProGolf-Tour sind 9-11 mm als Fairwayhöhe vorgegeben. Die Vorbereitungsarbeiten für die ProGolf-Tour beginnen aber schon 90 Tage vorher, also Anfang/Mitte Mai. Für Amateure sind diese Profihöhen schwerer zu spielen, da der Ball auf höherem Gras etwas aufliegt und daher besser getroffen werden kann. Auch die Grüns, Vorgrüns und Tee-Boxen werden zur Vorbereitung der Tour häufiger gemäht, gesandet und gedüngt.

Der Zustand der Grüns ist für Golfer immer wieder ein beliebtes Gesprächsthema. Eine oft gehörte Klage lautet, dass die Grüns zu langsam seien.

Für die sogenannte Grünsgeschwindigkeit gibt es Richtwerte. Gemessen wird diese Geschwindigkeit mit dem sog. Stimpmeter. Dies ist eine schiefe Ebene, von der ein Golfball herabrollt. Je weiter der Ball auf dem Gras läuft, desto schneller ist das Grün. Diese Weite wird gemessen. Für die PGA bzw. die ProGolf-Tour werden mindestens 280 cm gefordert. So schnelle Grüns überfordern Amateure in der Regel.

Hinzu kommt, dass schnelle Grüns sehr kurz gemähtes Gras erfordern. Wird dies übertrieben, kann das Grün nachhaltig beschädigt werden und muss unter Unterständen komplett saniert werden. Dies dauert dann einige Wochen.

Bei „wüchsigem“ Wetter kann es sein, dass ein am Morgen gemähtes Grün am Nachmittag bereits wieder langsam ist, weil das Gras schon wieder gewachsen ist.

Wenig beliebt bei den Golfern ist die Aerifizierung der Grüns.

Stimmt, muss aber sein. Aerifizieren ist integrierter Pflanzenschutz. Wir dürfen nur noch sehr wenige chemische Mittel einsetzen, um den Platz und die Funktionsflächen zu präparieren. Aerifizieren ist ein mechanisches Verfahren, das dazu dient, den Wurzelbereich des Grases zu durchlüften. Hierdurch werden die Gräser gestärkt, sie sind in der Folge weniger anfällig für Krankheiten und sind strapazierfähiger.

Was passiert eigentlich mit dem ganzen Grünschnitt? Wird er abgefahren?

Die Grünmasse bleibt auf dem Platz, im Bereich der Ausgleichsflächen.

Greenkeeping ist also viel mehr als Rasenmähen. Was macht einen Greenkeeper aus?

Zunächst einmal ist es ein Arbeitsplatz in der Natur, bei Wind und Wetter. Jeder Tag ist anders. Unser Anliegen ist es, die Natur, also Pflanzen und Tiere zu schützen, zu bewahren, und bei Bedarf entsprechende Hilfen zu geben. Wenn sich Pilz im Gras breitmacht, blutet einem leidenschaftlichen Greenkeeper das Herz. Als Beispiel für Hilfe möchte ich die Rodung der alten, verwilderten Tannenbaum-Schonung hinter Loch 12 anführen. Die dichten Nadelbäume verhinderten eine gute Durchlüftung des Grüns, so dass immer wieder Pilzbefall entstand, der aufwändig bekämpft werden musste. Nun, nach den Rodungen in den Wintern 2015 und 2016, hat sich das Mikroklima an Loch 12 deutlich verbessert. Der unerwünschte Wuchs von Pilzen, Schwarzalgen und Silbermoos ist erkennbar zurück gegangen.

Wir wollen mit unserer Arbeit erreichen, dass der Zustand des Platzes für jeden Golfer unabhängig vom HCP gerecht ist.

Wir erleben Sie und Ihr Team als sehr engagiert. Ist Greenkeeper mehr als ein Job, ehe eine Berufung?

(Frank Gärtner lacht)

Wir sind alle mit dem Platz verheiratet. Sehr früh aufstehen und mit den Hühnern zu Bett, außerdem kein Wochenende und viele Überstunden in der Saison. Das heißt auch, dass Urlaub nur im Winter, von Januar bis Mitte März möglich ist.

Das Interview mit Frank Gärtner führten Ulrike und Volker Lange im April 2017.


Die vielfältigen Aufgaben eines Greenkeepers werden im Video des Greenkeeper Verband Deutschland e.V. anschaulich dargestellt.


Der Greenkeeper Verband Deutschland e.V. (GVD) stellt Informationen zu den Themen „Rasenschnitt“ und „Grünsgeschwindigkeit/Stimpmeter“ zur Verfügung, die Sie hier als pdf-Dokument downloaden können:

Rasenschnitt

Grünsgeschwindigkeit/Stimpmeter


 

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